Neuruppin – Wer im ländlichen Brandenburg auf Mobilität angewiesen ist, spürt die aktuellen Verwerfungen auf dem Energiemarkt besonders hart. Für Mario Döring, der seit fast 30 Jahren die Fahrschule Bernd Döring in Neuruppin und Fehrbellin betreibt, ist die derzeitige Situation weit mehr als nur ein wirtschaftliches Ärgernis – sie bedroht die Lebensgrundlage seines aber auch andere Unternehmen.
Ein Preisschock mit fatalen Folgen
Ein plötzlicher Preissprung von fast zehn Cent pro Liter Kraftstoff über Nacht hat am heutigen Morgen bei vielen Autofahrern für Entsetzen gesorgt. Ausgelöst durch den aktuellen Iran-Konflikt und die weltweiten Reaktionen auf die geopolitischen Spannungen, explodieren die Rohölpreise. Für eine Fahrschule, deren Flotte permanent im Dauerbetrieb auf den Straßen rund um Neuruppin unterwegs ist, bedeutet dies unkalkulierbare Mehrkosten.
„Dieser Preissprung ist für uns eigentlich schon ein Wahnsinn. Existenzieller Wahnsinn“, beschreibt Döring die verzweifelte Lage. Die Energiekosten für den Betrieb der Dieselkraftfahrzeuge bilden den größten Ausgabenposten der Fahrschule. Da die Fahrstundenpreise nicht über Nacht angepasst werden können, schrumpft der ohnehin knappe Handlungsspielraum für dringend notwendige Neuanschaffungen rasant. Letztlich müssen die enormen Mehrkosten auf die Fahrschüler umgelegt werden – ein Schritt, der dem Fahrlehrer sichtlich schwerfällt.
Frustration über die politische Untätigkeit
Besonders emotional wird Döring beim Thema Steuern und Abgaben. Er empfindet tiefen Frust darüber, dass der Staat nicht eingreift. Ein massiver Teil des Kraftstoffpreises in Deutschland setzt sich aus Abgaben zusammen. Trotz der Krise, so kritisiert der Unternehmer, bleibe die Mineralöl-, Öko- und CO2-Steuer unberührt, während sich der Staat weiterhin an den hohen Energiepreisen bereichere. Den Beschluss Deutschlands, unabhängig von russischem Gas und Öl zu werden, sieht er in der Praxis kritisch, wenn es darum geht, Krisen abzufedern.
Statt Entlastung erfahre der Mittelstand eine immer erdrückendere Last. Döring warnt davor, dass der Staat kleine und mittelständische Betriebe "ausbluten" lasse. Die Verzweiflung gipfelt in der bitteren Erkenntnis, dass sich Normalverdiener – und erst recht junge Auszubildende – bald nicht mehr den Weg zur Arbeit leisten können, ganz zu schweigen vom Führerschein selbst.
E-Mobilität: (Noch) keine rettende Alternative
Der oft von der Politik geforderte Umstieg auf Elektromobilität ist für die Fahrschule aktuell keine realistische Lösung. Die Fahrzeuge sind in der Anschaffung extrem teuer, und der ständige Dauerbetrieb einer Fahrschule erfordert Kapazitäten, die derzeit schwer zu finanzieren sind. Hinzu kommen mangelhafte Infrastruktur und explodierende Stromkosten an Ladesäulen. Für Betriebe im ländlichen Raum fehle es schlicht an praktikablen und bezahlbaren Rahmenbedingungen.
Ein Funken Hoffnung
Trotz der existenziellen Sorgen und der enormen bürokratischen Hürden gibt Döring nicht auf. Seine Motivation schöpft er aus der Arbeit mit den Menschen. Den jungen Leuten in Neuruppin die Freiheit und Unabhängigkeit des Fahrens beizubringen, ist für ihn weit mehr als nur ein Beruf – es ist eine Berufung, die er sich nicht von der aktuellen Krise nehmen lassen will.