Hennigsdorf. Ein nächtlicher Feuerwehreinsatz im Deutschen Post Briefzentrum in Hennigsdorf hat in den frühen Morgenstunden für Aufsehen gesorgt. Auslöser war eine Postsendung, aus der ein unbekanntes weißes Pulver ausgetreten war. Aufgrund der zunächst unklaren Lage wurde die Feuerwehr gegen 02:00 Uhr zu einer sogenannten CBRN-Lage alarmiert.
Wie Einsatzleiter Olaf Feltz von der Feuerwehr Stadt Hennigsdorf schilderte, stellte sich die Situation beim Eintreffen der Kräfte zunächst ernst dar. In einem Bereich des Briefzentrums der Deutsche Post DHL Group war aus einer Sendung ein feines, weißes Pulver herausgerieselt. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass es sich um einen gefährlichen Stoff handeln könnte, wurden umgehend umfangreiche Sicherungsmaßnahmen eingeleitet.
Die Feuerwehr ließ die Arbeiten im betroffenen Bereich sofort einstellen und veranlasste eine vollständige Räumung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden vorsorglich aus dem Gefahrenbereich geführt und in einem separaten Bereich – einem Pausenraum – untergebracht. Ziel dieser Maßnahme war es, mögliche Kontaminationen einzugrenzen und gleichzeitig die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten.
Parallel dazu begann die Feuerwehr mit der strukturierten Lageerkundung. Ein speziell ausgerüsteter Trupp rückte unter leichtem Chemikalienschutzanzug (CSA) in den betroffenen Bereich vor. Seine Aufgabe bestand darin, die Lage vor Ort genauer zu untersuchen und Proben des unbekannten Stoffes zu sichern. Dieses Vorgehen gehört zum Standard bei Einsätzen mit unklaren CBRN-Stoffen, da so Risiken für Einsatzkräfte und Betroffene minimiert werden können.
Die Proben wurden anschließend außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereichs analysiert. Bereits nach kurzer Zeit konnte Einsatzleiter Feltz eine wichtige Entwarnung geben: Weder ein chemischer Gefahrstoff noch ein Kampfstoff oder Betäubungsmittel konnten nachgewiesen werden. „Wir haben vor Ort nachgewiesen, dass es weder ein Kampfstoff noch ein chemischer Stoff oder Drogen sind“, erklärte Feltz.
Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich bei dem ausgetretenen Pulver vermutlich um ein Nahrungsergänzungsmittel. Dennoch wurde der Einsatz konsequent nach den Standards für CBRN-Lagen abgearbeitet. Denn gerade bei zunächst unbekannten Stoffen gilt: Erst eine eindeutige Analyse ermöglicht eine verlässliche Einschätzung der Gefahrenlage.
Solche Einsätze seien laut Feltz keineswegs alltäglich. Besonders herausfordernd sei die anfängliche Ungewissheit über die Beschaffenheit des Stoffes. Während bei klassischen Gefahrgutunfällen – etwa mit Tanklastzügen – häufig bereits durch Kennzeichnungen erste Rückschlüsse möglich seien, müsse bei einer Postsendung zunächst aufwendig ermittelt werden, womit man es zu tun habe. „Es kann alles Mögliche sein. Hier müssen wir detektieren, um was es sich handelt“, so der Einsatzleiter.
Gemäß der Alarm- und Ausrückeordnung wurden im weiteren Verlauf zusätzliche Kräfte hinzugezogen, um ausreichend Personal und Spezialtechnik vor Ort zu haben. Dazu zählten unter anderem auch umliegende Feuerwehren aus der Region.
Für die Beschäftigten im Briefzentrum bedeutete der Einsatz eine vorübergehende Unterbrechung der Arbeitsabläufe und eine Phase der Unsicherheit. Durch das schnelle und strukturierte Vorgehen der Feuerwehr konnte die Lage jedoch zügig unter Kontrolle gebracht werden. Eine Gefährdung für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt.
Nach Abschluss aller Maßnahmen konnte der Einsatz beendet und der betroffene Bereich im Deutschen Post Briefzentrum wieder freigegeben werden. Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie wichtig ein professionelles und besonnenes Vorgehen bei unklaren CBRN-Lagen ist – auch dann, wenn sich am Ende herausstellt, dass keine ernsthafte Gefahr vorlag.