Neuruppin. Es war ein Jahr der Extreme, auf das die Freiwillige Feuerwehr Neuruppin zurückblickt. Doch bei der Jahresdienstversammlung des 2. Löschzuges der Hauptwache am 16. Januar 2026 standen nicht nur Einsatzzahlen und Großbrände im Mittelpunkt. Ein überraschender Moment der Rührung und eine neu eingeführte Ehrung zeigten, was diese Truppe im Kern zusammenhält.
Ein Jahr am Limit: 482 Mal Alarm
Die nackten Zahlen verdeutlichen die enorme Belastung, der die Ehrenamtlichen ausgesetzt waren. Gemeinsam mit den hauptamtlichen Kräften mussten im Verwaltungsbereich der Fontanestadt im Jahr 2025 insgesamt 482 Einsätze bewältigt werden. Besonders der 15. August brannte sich als „Schwarzer Freitag“ in das Gedächtnis der Retter ein.
Binnen weniger Stunden forderten an diesem Tag drei Großbrände gleichzeitig die volle Schlagkraft der Wehr: Ein Feuer bei der Firma Bullinger, der Großbrand der Turbopost-Sortierhalle und ein Zellenbrand in der JVA Wulkow. Auch die Autobahn 24 verlangte den Kräften alles ab, insbesondere bei einem Gefahrgutunfall im September, der die Einsatzkräfte über 30 Stunden band. Insgesamt leisteten die Kameraden im vergangenen Jahr beeindruckende 6897 Dienststunden.
„Sprachlos und Stolz“: Ein emotionaler Dank der Mannschaft
Dass hinter diesen Zahlen mehr steckt als nur Pflichterfüllung, zeigte ein Gänsehaut-Moment während der Versammlung, der nicht auf der Tagesordnung stand. André Lehmann teilte seine Emotionen dazu später in einem bewegenden Facebook-Beitrag.
Mitten in der Veranstaltung drehte die Mannschaft den Spieß um: Nicht die Führung lobte die Truppe, sondern 40 bis 50 Kameradinnen und Kameraden erhoben sich, klatschten und dankten der Zugführung und überreichten eine persönliche Auszeichnung in Form des kleinen Grisu’s. Ein Moment, der nicht nur André Lehmann „sprachlos“ machte, sondern der gesamten Zugführung die Sprache verschlug und für „Tränen in dessen Augenwinkeln“ sorgte.
„Weil in diesem Moment klar wird: Es geht nicht um Titel, um Befehle, um Hierarchie. Es geht um euch. Um uns. Um das, was wir zusammen sind“, schrieb André Lehmann auf Facebook. Er bezeichnete die Wehr als eine „Familie, die füreinander brennt“ und zeigte sich im Namen der gesamten Zugführung überwältigt von dieser Art der Wertschätzung.
Premiere für den „Ehren-Coin“
Passend zu diesem Zusammenhalt führte die Zugführung des 2. Löschzuges der Hauptwache vorgetragen von Christian Hohenwald an diesem Abend eine neue Form der Anerkennung ein: den „Ehren-Coin“. Da vieles im Feuerwehralltag leise und ohne große Aufmerksamkeit geschieht, soll diese Münze ein Symbol für Wertschätzung und Verbundenheit sein, sagte Christian Hohenwald. Der Coin kann nicht gekauft oder beantragt werden – er wird überreicht.
Die ersten Träger dieser besonderen Auszeichnung sind:
• Acht aktive Kameraden, die für ihre besondere Verlässlichkeit geehrt wurden (Alexander Bergenroth, Bjorn Boldt, Connor Peterson, Patrick Flöter, Nico Bsufka, Lukas Gabel, Luan Ebelt und Maximilian Lange).
• Peter Frank vom Einsatz-Nachsorge-Team (ENT), der sich um die psychische Gesundheit der Einsatzkräfte nach belastenden Erlebnissen kümmert.
• Christian Guttmann, Inhaber der Nachrichtenseite von Brandenburg News 24, der durch seine professionelle Berichterstattung die Arbeit der Feuerwehr für die Bevölkerung sichtbar macht.
Spezialisten und Sorgen um die Wache
Neben den Brandeinsätzen wird die Spezialisierung immer wichtiger. Die Drohnenstaffel wuchs auf 16 Mitglieder an und unterstützte 13 Mal aus der Luft, etwa bei der Personensuche. Die Höhenrettungsgruppe trainierte unter anderem an der Klosterkirche und an einem 65-Meter-Kran für Notlagen in extremen Höhen oder Tiefen.
Trotz der Erfolge und des starken Teamgeistes gab es mahnende Worte in Richtung Politik. Die Wache platzt aus allen Nähten, ein Neubau sei laut Führung „überfällig“, um die Einsatzbereitschaft dauerhaft zu sichern.
Doch mit Blick auf das große 160. Jubiläum der Wehr im Jahr 2027 endete der Abend optimistisch. Die Botschaft war klar: Diese Feuerwehr ist ein Team, dessen Zusammenhalt oft weiter reicht, als man auf den ersten Blick sieht.